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Art des Erregers

Ricinus communis – Toxin

Letalität (unbehandelt/behandelt)

bis zu 100%

Latenzzeit

1 Tag

Gegenmaßnahme

keine

Übertragung

Dermal, oral, inhalativ oder parenteral;

Infektiosität

Keine evidenzbasierten Daten verfügbar

Virulenz

Keine evidenzbasierten Daten verfügbar

Pathogenität

Keine evidenzbasierten Daten verfügbar

Tenazität

stabil: in wässriger Lösung über lange Zeit; empfindlich: Hitze über 50°C; Chlor; Waschen mit Wasser und Seife

Immunität

Wird eine Rizin-Exposition überlebt, sind spezifische Antikörper nachweisbar – allerdings finden sich keine Daten über die klinische Bedeutung dieser Antikörper.

Ricinus communis

Ricinus communis

Erreger

Rizin ist ein Zytotoxin, welches aus den Samenschalen des Wunderbaums Ricinus communis hergestellt wird. Rizin wird als Abfallprodukt bei der Herstellung des ungefährlichen Rizinusöl gewonnen. Es gehört zur Gruppe der Lektine (Glykoprotein) und ist farb- und geruchlos.

Gelangt das Gift in den menschlichen Organismus, greift es in den Stoffwechsel des Körpersystems ein und unterbindet die Produktion der körpereigenen Proteine. Ohne neue Proteine ist die Zelle nicht überlebensfähig und stirbt ab.

Relevanz für Bioterror

Rizin wird ein hohes terroristisches Potenzial zugeschrieben, da es leicht verfügbar, leicht zu gewinnen und gut bekannt ist. Es lässt sich in flüssiger, kristalliner oder – durch Gefriertrocknung – in Pulverform herstellen. Rizin könnte somit als Aerosol verteilt, injiziert oder zur Vergiftung von Wasser oder Lebensmitteln Verwendung finden.

Bereits während des Ersten Weltkriegs wurde Rizin auf sein Potential als Biowaffe hin untersucht, jedoch wurde es als wirtschaftlicher erachtet Phosgen in Streumunition zu verwenden, da Phosgen zwar nicht so giftig war, jedoch bessere Eigenschaften im Hinblick auf die Verbreitung als Aerosol hatte.

Es war Bestandteil des Biological Warfare-Programms der USA und wurde zur Entwicklung der so genannten W-Bombe (W als Codewort für Rizin) im 2. Weltkrieg genutzt, die jedoch nicht eingesetzt wurde.

Mittels Rizin wurden gezielte Morde durchgeführt bzw. Mordversuche geplant. Der bekannteste ist der Anschlag auf den Exilbulgaren Markov 1978 in London, dem mittels einer Regenschirmspitze eine Metallkugel mit Rizin ins Bein injiziert wurde.

Vorkommen

Der Wunderbaum Ricinus communis, ursprünglich im tropischen Afrika endemisch – inzwischen jedoch weltweit in tropischen und gemäßigten Klimaten heimisch – wird als Zierpflanze und zur Gewinnung von Rizinusöl (Castoröl), das als technischer Schmierstoff dient, genutzt. Alle Teile der Pflanze sind giftig, der Rizingehalt des Pressrückstandes der Samen ist mit 3–5 % am höchsten.

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Schutz­maßnahmen im Ernstfall

Impfung / Antitoxin

Ein Rizin-Impfstoff ist nicht zugelassen, an der Entwicklung wird aber gearbeitet. Es befinden sich mindestens zwei Forschungsansätze in einem fortgeschrittenen Entwicklungsstadium.

Schutzkleidung und Verhalten

Intoxikation durch direkten Kontakt zu Erkrankten nicht möglich. Eigenschutz nur notwendig bei Personen mit dermaler Kontamination bis nach erfolgreicher Dekontamination. Bei Aerosolen oder Staubentwicklung kann eine FFP-3-Maske in Verbindung mit einer Schutzbrille die Aufnahme des Toxins verhindern.

Absonderung

Nicht notwendig, da es sich nicht um eine ansteckende Erkrankung handelt.

Statisitk über Pestfälle