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Art des Erregers

Bacillus Anthracis – Bakterium

Letalität (behandelt/unbehandelt)

Hautmilzbrand: ~ 1%; 5-25% Lungenmilzbrand: 50%; 100% Darmmilzbrand: 30%; Prognose infaust

Inkubationszeit

wenige Stunden bis zu 6 Tage

Gegenmaßnahme

Schutzimpfung, Antibiotika

Übertragung

kleinste Verletzungen, Einatmen, Verzehr kontaminierter Fleischprodukte

Infektiosität

hoch

Virulenz

hoch

Pathogenität

unbekannt

Tenazität

Bakterium empfindlich gegen Desinfektionsmittel Sporen resistent gegen Hitze und Desinfektionsmittel

Immunität

nach Erkrankung: deszendierender Schutz; nach Impfung: Schutz für drei Jahre

Bacillus Anthracis

Bacillus Anthracis

Erreger

Der Erreger von Anthrax, Bacillus anthracis, ist ein grampositives, aerobes, stäbchenförmiges Bakterium aus der Familie der Bacillaceae, das in der Lage ist, Endosporen auszubilden. Die Bakterien formen Ketten (bis zu 6 – 8 Zellen im Blut infizierter Organismen, aber sehr lange Ketten in Labormedien) und haben eine Länge von ca. 4 μm und eine Breite von 1 µm. Die Sporen haben eine Größe von ca. 1 x 2 μm und keimen, sobald sie sich in einer geeigneten Umgebung befinden, zu vegetativen Zellen aus. Unter wachstumslimitierenden Bedingungen (z.B. nach Freisetzung der Zellen aus einem infizierten Tier) bilden sie wieder Sporen.

Verlauf der Krankheit

Läsionen an der Hand durch Anthrax

Hautmilzbrand ist die häufigste natürlich auftretende Infektion mit B. anthracis. Vor allem beruflich exponierte Personen, die direkten Kontakt zu betroffenen Tieren haben, und technisches Personal in der tierische Gewebe verarbeitenden Industrie infizieren sich hauptsächlich an den Händen, Armen, Hals und im Gesicht.

An der Infektionsstelle entsteht eine rasch fortschreitende schmerzlose Entzündung in Form einer Papel (Pustula maligna), die sich über eine oder mehrere flüssigkeitsgefüllte Blasen zu einem mit schwarzem Schorf bedeckten Geschwür, dem sog. Milzbrandkarbunkel, weiterentwickelt. Auch dieser ist nicht schmerzhaft, aber die Entzündung kann sich über die Lymphbahnen ausbreiten und zu einer Sepsis führen. Typisch für eine Infektion mit B. anthracis ist die Ausbildung eines Ödems der befallenen Körperregion. Durch freigesetzte Exotoxine kann eine schwere Allgemeinsymptomatik mit hohem Fieber, Benommenheit und Herz-Kreislauf-Problemen hinzukommen. Im Gegensatz zum relativ gut beherrschbaren Hautmilzbrand stellt die Milzbrand-Meningitis eine gefährliche Komplikation dar (s.u.). Unbehandelt ist Hautmilzbrand in 10–40 % der Fälle tödlich, bei rechtzeitiger Gabe von Antibiotika kann er allerdings gut behandelt und geheilt werden.

Relevanz für Bioterror

Eine besondere Bedeutung hat B. anthracis auch im Zusammenhang mit Bioterrorismus und Biokriminalität als ein potenzielles Agens.

B. anthracis wurde in Biowaffenprogrammen verschiedener Länder beforscht. Zuletzt hat der Irak 1995 gegenüber den Vereinten Nationen zugegeben, Bomben und SCUD-Raketen mit B. anthracis befüllt zu haben. 1979 kam es zu einer akzidentellen Freisetzung von B.-anthracis-Sporen aus einer Fabrik für biologische Kampfstoffe in Swerdlowsk/Jekaterinburg. In der Folge erkrankten in der Abwindzone der Fabrik mindestens 77 Personen an Lungenmilzbrand, von denen 66 verstarben. Auch die Anschlagsserie in den USA im Oktober 2001, als per Post "weißes Pulver" verschickt wurde, zeigte mit 22 bestätigten Fällen (11 Fälle von Lungenmilzbrand – davon 5 Todesfälle, 11 Fälle von Hautmilzbrand), dass B. anthracis als Biowaffe einsetzbar ist.

Von Vorteil für die Nutzung in B-Waffen wird gesehen, dass der Erreger leicht zugänglich ist, da er natürlicherweise im Boden (z. B. in Endemiegebieten) vorkommt. Zudem besitzen die Sporen eine hohe Resistenz gegenüber Umwelteinflüssen, sind gut zu lagern und leicht auszubringen. Besondere Bedeutung für B-Gefahrenlagen hat der Lungenmilzbrand, der durch Ausbringen von Sporen induziert werden kann – allerdings sind lungengängige Sporen relativ schwierig herzustellen.

Vorkommen

langkettige milzbranderreger

Bacillus anthracis, Kolonie, ohne sichtbare Sporenbildung.

Seit dem Jahr 2000 wurde in Europa über Fälle von Injektionsmilzbrand bei Drogensüchtigen berichtet, die sich an vermutlich mit Sporen kontaminiertem Heroin infiziert hatten. Auch in Deutschland wurden in den letzten Jahren wiederholt Fälle von Milzbrandinfektionen nach intravenösem Heroinkonsum beobachtet, die im Zusammenhang mit einem größeren Ausbruch in Großbritannien standen. Aus Großbritannien wurde auch von einem Fall von Inhalationsmilzbrand durch Inhalation von kontaminiertem Heroin berichtet.

Neueste molekulare Vergleiche der Ausbruchsstämme verschiedener Injektionsmilzbrandfälle deuten darauf hin, dass es sich seit dem Jahr 2000 um den gleichen oder zumindest um sehr ähnliche Milzbrandstämme handelt und möglicherweise von einer bisher unbekannten Infektionsquelle auszugehen ist. Des Weiteren kam es in Verbindung mit dem Bau oder der Benutzung von Trommeln, bei denen Tierhäute verarbeitet wurden, in Schottland , England und den USA zu je einem Fall von Inhalationsmilzbrand und in den USA zu einem Fall von Magen-Darm-Milzbrand.

Statisitk über Pocken impfungen

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